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Statement BBK Image Broschüre
Petra Kooks Kunst bezieht sich auf ihre Überzeugung, dass alles was wir sind, schon einmal war.
Das, was wir an Neuem, Einzigartigem schaffen entsteht aus diesem Fundus der Informationen, aus dem was wir sind und aus dem Hören, Sehen, Atmen, Ahnen, Empfinden ..
Uralte Eichenbalken - Eiche, vergessen, ausgedient - wieder zu neuem Leben erwacht - sind für Petra Kook Informationsträger, die sie in das Heute bringt. Sie nutzt Glas um diese Fundstücke wiederzubeleben.
Glas als Trägermaterial vermag die Farben im Fluss zu zeigen. Obwohl sich nichts bewegt, gewinnt man den Eindruck, beim nächsten Hinsehen könnte alles ganz anders sein, weiter geflossen.
Den Charakter der geronnenen Bewegung verliert die Glasarbeit auch dann nicht, wenn sie mit Architektur verbunden oder auf Halterungen fixiert ist. Sie ist wie ein kinetisches Standbild. Die Bewegung ist nicht unterbrochen oder beendet, sie wird nur in einem bestimmten Zustand gezeigt.
Im Sinne des Wortes haben die Arbeiten von Petra Kook etwas Unfassbares.
Kunst im Gefüge unseres Seins ein unverzichtbares Element.
Eiche, vergessen, ausgedient - im Kunstwerk wieder zu neuem Leben erwacht.
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Von Eva Thomalla
WERL "Jetzt habe ich viel mehr erzählt, als ich eigentlich wollte", zieht Petra Kook beim Abschied ihr eigenes Resumee. "Und das ist gut so", denke ich. Denn die Werlerin hat durchaus eine Menge zu sagen. Aber allzu viel Privates in der Öffentlichkeit preiszugeben, das ist ganz offensichtlich nicht ihr Ding. Sie hat mir schon bei unserer telefonischen Verabredung signalisiert, beim "Tischgespräch" mehr über Berufliches reden zu wollen. Und auch im Restaurant Hemmer am Dom erinnert sie gleich daran, fällt doch zunächst immer wieder mal der Satz: "Schreiben Sie das später aber nicht." Dabei ist es Petra Kook als Künstlerin eigentlich gewohnt, im Mittelpunkt zu stehen. Sie sagt selbst, dass es zum Beruf gehört, "das Innere nach Außen zu kehren". "Das, was ich mache und zeige, ist schließlich meine Seele", erklärt sie im Laufe des Abends. Und fügt hinzu, dass die Kunst nicht nur deshalb manchmal "knallhart" sei. Kreativität allein reicht nicht aus, um in dieser Branche erfolgreich zu sein.
Man braucht viel Durchsetzungskraft, Energie und Geschäftssinn, wenn man von seiner Kunst leben will. Sagt eine Frau, die es am eigenen Leib erfahren hat, auch wenn sie heutzutage von sich selbst behaupten kann, "es irgendwie" geschafft zu haben.
Die schlechten Zeiten kennt die inzwischen etablierte Künstlerin aber eben auch noch - "und zwischendurch kommen sie schonmal wieder". Ein monatliches Festgehalt gibt es für frei schaffende Künstler eben nicht. Und auch für Petra Kook war es früher immer wieder mal ein "Zuschussgeschäft", das durch einen anderen - "echten" - Beruf finanziert werden musste. Der Gedanke an Geld oder Vermarktung, der ist aber ganz plötzlich weg, wenn sich Petra Kook mit ihrer Kunst beschäftigt. "In dem Moment vergesse ich einfach Raum und Zeit", sagt sie. Und sie ist davon überzeugt, dass jegliche andere Art, sich künstlerisch auszudrücken, die Qualität der Arbeit einengt, denn "die Arbeit hat dann keine Seele mehr".
Die Ordensschwestern, deren Schule Petra Kook einst in Brilon besuchte, waren damals zwar fest davon überzeugt, dass sie einmal Kunstlehrerin würde. Der Werdegang der Wahl-Werlerin sah dann aber doch ganz anders aus. Nach der Schule ging Petra Kook zunächst nach England, studierte in Leeds englische Literatur. Als sie zurück nach Deutschland kam, meldete sie sich ohne Vorbereitung bei der Industrie- und Handelskammer als Dolmetscherin an - und bestand auf Anhieb. In diesem Beruf arbeitete Petra Kook dann auch lange Zeit, bis sie - nach vielen Umwegen - doch noch den Weg zur Kunst fand. "Und das ist heute mein Leben", sagt die Werlerin, die zu diesem außerdem ihre beiden Kinder und den Ehemann zählt. Dass Tochter und Sohn, beide inzwischen längst erwachsen, keine künstlerische Karriere eingeschlagen haben, hat sie übrigens nicht traurig gestimmt. Eher war sie vielleicht sogar ein bisschen erleichtert, "gerade weil ich weiß, wie schwer das mit der Kunst manchmal ist".
Durch den Ehemann, den sie einst beim Besuch einer Freundin auf Hof Flerke kennen lernte, ist sie vor langer Zeit nach Stationen in Trier und Düsseldorf nach Werl gekommen und hier schnell heimisch geworden. Aus dem ehemaligen "Wandervogel", wie sich die in Mariaschein, einem Wallfahrtsort im Sudetenland, Geborene selbst zwischendurch bezeichnet, ist ein "sesshafter, normaler" Bürger geworden. "Ich fühle mich hier sehr wohl", sagt Petra Kook heute. Über 30 Jahre sind vergangen, seit es sie in diese Stadt verschlagen hat. Für sie selbst sehr wichtige Menschen hat sie hier getroffen, intensive Freundschaften geschlossen. "Freunde hat man aber nur wenige, Bekannte kann man sehr viele haben", sagt Petra Kook, die ihre seit vielen Jahrzehnten bestehenden Kontakte nach England nie hat abreißen lassen.
Während wir "über Gott und die Welt" reden ("ich bin christlich erzogen, aber mit der Institution Kirche nicht einverstanden"), bleibt die Werlerin erst einmal beim Mineralwasser. Schon auf dem Hinweg ins Restaurant ist sie in einer Kurve ins Rutschen gekommen, denn wieder einmal gibt's Blitzeis an diesem kalten Abend im Januar. Erst später gönnt sie sich ein Glas Rotwein. Zu den mit Spinat und Käse gefüllten Cannelloni, die sie hier bereits schon einmal probiert hat. "Ist zwar nicht sehr originell, das gleiche Gericht schon wieder zu nehmen. Aber das war wirklich gut", sagt Petra Kook, die selber gerne kocht und relativ wenig auswärts essen geht. Weil es eben oft an Zeit mangelt, viele Stunden in die Kunst investiert werden. Neben der Arbeit in ihrem eigenen Atelier ist sie Mitbegründerin und inzwischen auch seit einigen Jahren künstlerische Leiterin der Malschule in Werl, arbeitet außerdem an den beiden Offenen Ganztagsschulen der Stadt. Und sitzt unter anderem noch im Vorstand des Landesverbands bildender Künstler. Die Kunst ist, wie bereits erwähnt, eben einfach ihr Leben.
Das einzige andere Hobby, das Petra Kook in ihrer Freizeit ansonsten noch regelmäßig pflegt, bringt uns beide gleichermaßen zum Schwärmen und Fachsimpeln. "Doppelkopf ist ein tolles und geselliges Spiel", sind wir uns einig und tauschen dann auch gleich mal Sonderregeln und verschiedene Spielvarianten aus. Regelmäßig und leidenschaftlich gerne spielt Petra Kook in einer Frauenrunde Karten. Allerdings nicht allzu oft. Denn die meiste Zeit trifft man sie an einem ihrer vielen Arbeitsplätze - unter anderem eben in ihrem Atelier, das sie sich in Westönnen eingerichtet hat. Dort arbeitet sie dann schon, wenn andere Menschen noch schlafen. "Es ist herrlich, den Sonnenaufgang und das Erwachen des Tages mitzuerleben", begeistert sich die Künstlerin für die frühen Morgenstunden. Dass sie - vielleicht zum Ausgleich für die manchmal kurzen Nächte - aber schon mal tagsüber vor sich hin träumt, räumt die Werlerin freimütig ein. "Ich befinde mich ziemlich oft in meiner eigenen Welt", gesteht sie und fügt gleich eine kleine Anekdote hinzu. Erst kürzlich habe sie bei der Vorbereitung einer Ausstellung nur durch die kritischen Blicke der Galeristin gemerkt, dass ihre Kleider-Zusammenstellung "etwas missraten" war. "Ich hatte ein bunt gemustertes Oberteil und darüber eine lila Weste an. Zum Rock passte beides nicht", lacht die "Träumerin", die sich selbst zwar als uneitel beschreibt, an diesem Morgen aber wohl etwas "neben sich stand". Eigentlich kleidet sie sich ohnehin gerne in schwarz.
Als wir uns zum "Tischgespräch" treffen, laufen gerade die Vorbereitungen für eine Vernissage in Bad Sassendorf. "Das wird schön", verspricht Petra Kook. "Wie sich von Jahr zu Jahr vermehrende Lebensringe eines Baumes", so sieht sie die Seele, um die es dabei geht. Eben als "eine unvorstellbar umfangreiche Ansammlung von Informationen, erfüllt von der Geschichte der Vorfahren und durch Erlebnisse mit Menschen". In einer ganz anderen Ausstellung hat sie sich vor einigen Jahren "Frauenansichten" gewidmet. Frauen liegen ihr nämlich besonders am Herzen. Oft hat es sie in den vergangen Jahren geärgert, dass männliche Künstler die Arbeit ihrer weiblichen Kolleginnen eher herablassend betrachten. "Es sollte schließlich gar keine Arbeit herablassend bewertet werden", sagt Petra Kook. In der Kunstgeschichte gebe es zahlreiche Beispiele von fähigen, großartigen Künstlerinnen, "aber die Zwänge der damaligen Gesellschaft verwiesen sie auf Nebenrollen".
Gerne würde sie auch mehr Geschlechtsgenossinnen in der Politik sehen, "aber ich selbst habe ja schließlich auch nichts in dieser Richtung gemacht, darf also nicht schimpfen". Überall könne man eben nicht mitmischen, sagt Petra Kook, die immer irgendwo eingespannt und in Bewegung ist und es sich nicht vorstellen kann, ihren "Kookismus", wie sie ihre künstlerische Handschrift genannt hat, mal ganz an den Nagel zu hängen. "Die Arbeit in der Malschule in ein paar Jahren sicherlich, auch die anderen Posten" - aber die eigene Kunst, die wird sie weiter verfolgen und begleiten. Das Haus ist voll mit ihren Werken, einige auserlesene Stücke befreundeter Künstler haben dort aber auch einen Platz gefunden. Die Kunst anderer zu bewerten, ist nicht ihre Sache. "Da hat jeder Mensch andere Vorstellungen von Farbe und Form." Denn die Kunst lebe schließlich vom Betrachter.
Inspirieren lässt sie sich durch ihre Mitmenschen, die sie genau beobachtet. Während sie sich Gesichter schlecht merken kann, mit dem Wiedererkennen oft Probleme hat, nimmt sie bestimmte Verhaltensweisen oder Körperhaltungen in sich auf. "Es kann gut sein, dass sich etwas von Ihnen demnächst in einer Skulptur wiederfindet", sagt Petra Kook - und ich bemühe mich heimlich (und leicht verkrampft) um eine gute Haltung …
Sie hat sehr viele Menschen in ihrem Leben getroffen. Und mit sehr vielen gearbeitet. Als besonders interessant und lehrreich empfand Petra Kook auch die Arbeit als Kunsttherapeutin an der Westfälischen Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie vor einigen Jahren. Dass diese Maßnahme wegen leerer Kassen eingestellt wurde, bedauert Petra Kook sehr. "Denn die Kunsttherapien haben vielen Erkrankten sehr geholfen", sagt sie. Über die Kunst hat man eben manchmal einen ganz anderen Zugang zu den Menschen. Einen guten Zugang hat sie auch zu "ihren" Kindern der Malschule. Als "wahre Freude" empfindet sie es, wenn sich der Nachwuchs weiterentwickelt - von klitzekleinen Bildern auf einem großen Stück Papier hin bis zu weiten, weichen Formen übers ganze Blatt. Schade ist es für sie, wenn Eltern die Werke der Kinder korrigierend "im Sinne von Ordnung" beurteilen, den Nachwuchs in der künstlerischen Freiheit so einschränken.
Irgendwie raste die Zeit an diesem Abend, sitzen wir fast vier Stunden zusammen und plaudern. Nach Hause fährt Petra Kook dann aber noch nicht sofort. Vielmehr zieht es sie zu später Stunde in die Malschule, um noch einige Töpferarbeiten in den großen Ofen zu schieben. Wie gesagt: Irgendwie ist die Künstlerin immer im Einsatz …
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